Warm-Up für Agility Hunde

Da ich immer wieder Artikel lese, die in mir ein befremdliches Gefühl erwecken, möchte ich nun selbst ein paar Zeilen zum Thema Warm-Up schreiben.

Immer wieder tauchen Angaben auf, die von 15-20min oder sogar mehr „Warm-up“ berichten. Stammen diese eigentlich von Sportlern, die aktiv Agility betreiben?

Hunde haben eine recht kurze Konzentrationsspanne, das weiß jeder. Sie haben eine andere Thermoregulation als Menschen, sie können nicht schwitzen (außer an den Füßen) und erwärmen und überwärmen schneller, als Menschen. Ziehen dieseArtikel-Schreiber diese Tatsachen eigentlich mit in Betracht?

Selbst aus dem Humanbereich weiß man inzwischen, dass gerade für Sportarten mit schnellen Antritten, Sprungkraftanforderungen und kurzer, aber schneller Leistung ein ganz anderes Warm-Up vonnöten ist, als im Bereich des Ausdauersports.

Agility ist eine eher schnelle Sportart, sprintend, mit vielen Richtungsänderungen

 

 

sportartspezifisches Aufwärmen“ nennt sich das dann.

Aber vorab kurz zu den wichtigen Fakten des Aufwärmens, was macht es, was kann es ?

Eines wissen die meisten: ein korrektes Warm-up beugt Verletzungen vor: Sehnen, Bänder, Muskeln und Gelenke werden durch eine leichte Aktivität vor der eigentlichen Belastung vorbereitet. Die Gefahr von Muskelkater und Sportverletzungen wie Zerrungen und Muskelfaserrissen wird reduziert.

Eine gut durchblutete Muskulatur ist flexibler, die innere Reibung der einzelnen Muskelfasern und der sie umgebenden Strukturen wird durchs Warm-up reduziert. Die neurologische Ansteuerung der wichtigen Muskeln wird vor allem durch ein sportartspezifisches Warm-Up optimiert. Der Bewegungsapparat kann in der kommenden Belastung nun wesentlich effektiver (re)agieren.

 

Dehnen/Stretchen, ja oder nein?

Auch auf dem Humansektor wird das Thema heiß diksutiert, aber es liegen Studien vor, die vor allem vor Schnellkraft und Sprintsportarten sowie bei Sportarten mit schnellem Richtungswechsel (Tennis, Squash) von einem „vordehnen“ abraten. Es existieren Studien, die zeigten, dass die sportliche Leistung durch statisches Dehnen hierbei sogar herabgesetzt werden kann und die Reaktionszeit der Muskeln niedriger wird, womit die Verletzungsgefahr steigt.

Aktive, dynamische Dehnübungen sind im Warm-Up viel besser untergebracht als statisches Dehnen! Wenn Dehnübungen erfolgen, sollte die Muskulatur bereits gut vorgewärmt sein!

 

Und wie sieht ein gutes Warm-Up nun aus?

Natürlich ist es schön, wenn ihr vor dem Training noch kurz mit dem Hund spazieren geht, vor allem nach einer Autofahrt. Er soll sich lösen und schon etwas locker bewegen. Im Winter habe ich dazu bereits einen Mantel auf dem Hund, der mit Infrarot-reflektierenden Marterialien ausgekleidet ist. So wird bereits die Durchblutung der Muskulatur erhöht ( ja, auch bei Hunden mit Fell….).

Erst dann, vor dem Training beginnt das eigentliche Warm-up:

Optimal ist das lockere joggen/ traben von großen Kreisen, für  1-4 Minuten, je nach Außentemperaturen. Ich steigere dann meist bereits zum lockeren Galopp.

 

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Nun sollen vor allem größere Muskeln aktiv werden, die Hinterhandmuskulatur spezifisch aufgewärmt werden. Ich beginne mit Sitz-Platz-Steh Wechseln und ein paar mal ein „Häschen“ sowie eine Rolle, um eine große Anzahl an Muskeln zu aktivieren.

Optimal wäre eine Erhöhung, mit der ihr Kniebeugen, Kickbacks und ein rückwärts hochziehen mit ca. je 5 Wiederholungen und 2 Sätzen machen könnt.

Slalom durch die Beine, Kreise rechts und links um sich selbst,  und ein schicken um Pylonen in einer 8, oder aber das springen von ZWEI Hürden mit engen WEndungen in einer 8 (Sprunghöhe max. 40cm für Large, 20 für Medi, 10 für Small) sind weitere sehr gute sportartspezifische Übungen.

So entstehen vielleicht 6-9 Minuten Warm-Up ( je nach Jahreszeit).

DIE SPAZIERGEHZEIT gilt NICHT als WARM-UP ZEIT! SPAZIEREN GEHEN ERSETZT NICHT DAS WARM-UP!

Da Hunde wirklich schnell sehr warm und viel schneller „kopf -müde“ sind als Menschen, frage ich mich, wie man ein viel längeres Warm-Up durchführen sollte? Ich warte gespannt auf Videos der „Hundephysiotherapeuten“, die empfehlen, 20 Min. Warm Up zu machen und dann noch voll zu trainieren 😉 Das bedeutet bei 10 Min. Training, Pause und nochmal 10 Min. Training, dass mein armer Hund bei 60 Min Trainingszeit NULL Pausen hätte!!! Erst nachdenken, dann abschreiben 😉

 

Beinslalom

 

Achtung:

leider beobachte ich häufig als einziges Warm-Up etwas zergeln und eine kleine 8 an einer einzelnen Hürde auf voller Höhe! Dies ist als Warm-Up absolut ungeeignet, die Hürden“übung“ sogar kontraproduktiv!!!!

Wichtig ist ebenfalls, dass ihr euch klar macht, dass die eigentliche Belastung recht schnell nach dem Warm-Up erfolgen sollte! Maximal 5 Minuten später ist die Durchblutung der Muskulatur bereits wieder herabgesetzt (auch, wenn die Körpertemperatur noch erhöht ist!).

Ihr solltet also beim klassischen Agility Training euren Hund dann aufwärmen, wenn euer „Vordermann“ trainiert.

Auch sollte ein erneutes kurzes Warm-Up erfolgen, wenn ihr gewartet habt und ein zweites mal dran seid!

 

Geeignete Übungen zu einem Cool Down ist meiner Meinung nach im Schritt auf und ab gehen, lockere, aber aktive Dehnübungen, wie z.B. ein Kuckuck, ein Verbeugen oder am Bein gedreht stehen. Massagen zu Hause beim Schmusen nach dem Training sind oft beliebt und stärken die Bindung zwischen euch und eurem Teampartner noch mehr! Außerdem lernst du so, Verspannungen besser zu erkennen und kannst dir dann professionelle Hilfe suchen!

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Was brignt ein Warm-Up?

• Durchblutung
Der Körper stellt sich nun auf die bevor stehenden Aktivitäten ein: Blutdepots wie Milz, Leber und Verdauungstrakt stellen den „Aktivitätsorganen“ das Blut zur Verfügung. Die Haut wird weniger, die Arbeitsmuskulatur hingegen mehr durchblutet.

• Herz-Kreislauf-System
Das Herz schlägt schneller und pumpt vermehrt Blut durch den ganzen Körper, denn die Blutdepots (zum Beispiel in der Leber) geben ihre Reserven frei. So wird die aktive Muskelmasse mit mehr Nährstoffen und Sauerstoff beliefert. So werden auch Stoffwechsel-Abfallprodukte besser entsorgt. Und das verhindert eine Übersäuerung der Muskulatur.

• Blutdruck
Die Differenz zwischen Systole und Diastole (Blutdruckwerte) vergrößert sich, weil der obere Wert ansteigt. Das bedeutet: Das Blut fließt schneller durch die Gefäße, was wiederum die Versorgung der beanspruchten Muskeln optimiert.

Atmung
Der Hund atmet schneller und tiefer ein- und aus: der vermehrte Sauerstoffbedarf kann sogedeckt  werden und das vermehrt anfallende Kohlendioxid effizienter abtransportiert werden.

• Nervensystem
Das Zusammenwirken von Nerven und Muskeln wird verbessert – das senkt den Energiebedarf, verzögert Ermüdungserscheinungen und steigert die Reaktionsgeschwindigkeit.

• Körpertemperatur
Durch das Aufwärmen wird die optimale Körpertemperatur für Aktivitäten erreicht, bei etwas erhöhter Körpertemperatur laufen alle physiologischen Reaktionen am effektivsten ab.

• Gelenke und Bänder, Sehnen
Der Körper produziert jetzt vermehrt Gelenkflüssigkeit. Der Gelenkknorpel nimmt dadurch an Umfang zu und hält Belastungen besser stand. Sehnen und Bänder werden durch die höhere Körpertemperatur automatisch elastischer.

• Muskeln
Die Muskeln werden besser durchblutet, leistungsfähiger und weniger anfällig für Verletzungen (z. B. Zerrungen, Faserrrisse).

• Kopf
Die Warm-up-Phase verbessert die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit. Der Hund kann schneller auf spezielle Situationen reagieren. Mögliche Verletzungsgefahren können nun besser erkannt und daher vermieden werden.